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Change the World (Wie geht’s weiter?)

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Wie wichtig ist es, Träume zu haben?

Ich weiß es nicht genau. Ich sitz also da und fahre mir endlos viele Informationen bezüglich der Arabischen Revolution rein und erkenne, dass sich nach den Systemstürzen nicht viel geändert hat. Außer einer Sache: Wer vorher Geschäftspartner war, ist jetzt der Böse. In wie weit man europäische und US-amerikanische Politiker_Innen jetzt noch ernst nehmen kann, weiß ich auch nicht so genau.

Im arabischen Raum herrscht eine beschissene Situation. Die Menschen leben zum großen Teil vom Tourismus und dieser bleibt – wegen Gefahr, wegen Revolten, wegen Demonstrationen und der Angst der Touristen wegen – aus. Wodurch die Wirtschaft der Länder zu schwimmen beginnt, aber ehrlich, war vorher alles besser? Sicher nicht. Aber geändert hat sich offensichtlich auch nicht wirklich was. Die Kacke ist überall am Dampfen, aber Politiker_Innen tun häufig so, als könnten sie nichts riechen. Man biegt sich einfach alles zurecht. Fukushima ist schon lange her, Tschernobyl noch länger und bis 2022 ist noch eine Menge Zeit, um die Menschen vergessen zu lassen, außerdem sind wir ja ohne AKWs aufgeschmissen, Strom wird Mangelware werden. Stuttgart braucht einfach einen neuen Bahnhof. Und natürlich sind wir auf der Seite des Volkes, natürlich.

Gibt es überhaupt noch Menschen, die diesen Scheiß glauben?

Das Problem ist die Alternativlosigkeit.

Ich hatte gerade erst eine Unterhaltung mit einem Menschen, der sich nicht für Politik interessiert. Er sagt, er spürt keine Wut hier. Er spürt nicht, dass etwas in Bewegung gekommen ist, dass die Welt sich verändert. Es bringt ja eh nichts. Okay, arabische Staaten, das wurde ja auch mal langsam Zeit, dass die aufstehen und in Spanien und Griechenland geht’s finanziell abwärts, klar, dass die Menschen ausrasten, aber Deutschland? Bullshit, ist doch alles okay hier. Er sagt, dass er bei einer Revolte nur mit machen würde, wenn für ihn da etwas bei raus springen würde. Wenn er Profit daraus zieht, macht er mit. Ich frage mich: Denken alle so?

Wir dürfen nicht vergessen, dass das Volk die Deligierten, sprich die Politiker, wählt und jene eben für uns eintreten müssten. Das Gegenteil ist der Fall, es wird geschaut, wie man die Wirtschaft vorantreibt, wie man an mehr und mehr und immer mehr Geld kommt. Dass es Menschen gibt, die darunter leiden, ist egal, Bauernopfer, ist im Schach auch so, ohne geht’s einfach nicht weiter, ohne kann man nicht gewinnen – was gewinnen? Ich weiß nicht.

Ich bin nicht intellektuell. Ich bin nicht hochbegabt. Ich begreife das Ausmaß des ganzen nur so halb, es ist mehr ein Gefühl, aber ich bin nicht fähig, es in Worte zu fassen. Was bleibt ist eine Ohnmacht, die mich fesselt und handlungsunfähig macht. Ich bräuchte jemanden, der mir das in meiner Sprache erklärt. Vielleicht bin ich zu naiv. Ich verstehe nicht, warum Menschen Kriege führen müssen. Ich verstehe nicht, wozu Menschen viel Geld benötigen, viel mehr als sie brauchen. Ich verstehe nicht, warum man Menschen diskriminiert, was an anderen Menschen beschissener sein soll als an einem selbst. Ich verstehe es wirklich nicht. Und deswegen verstehe ich wahrscheinlich auch nur so halb, warum dieses ganze Revolutionsding so kompliziert ist. Klar, ich will die Welt verändern. Aber wenn ich die Probleme nur so halb verstehe, kann ich auch keine Lösung finden. Ich gebe offen zu: ich habe keine Antwort auf die Frage, wie die Welt funktionieren soll. Ich habe keine Alternative zum Kapitalismus in meinem Kopf, weil ich keinen wirklichen Zugang zur kapitalistischen Denkweise habe. Wie kann ich nur an mich denken, wenn ich genau weiß, dass jetzt in dieser Sekunde überall Menschen auf der Welt elendig verrecken, weil sie nicht genug zu Essen / kein sauberes Trinkwasser / keine Medikamente haben, während in dem selben Land einige wenige theoretisch wie Dagobert Duck in Geld schwimmen könnten? Wie kann ich NICHT wütend sein, in dem Wissen, dass Journalist_Innen, Künstler_Innen, Aktivist_Innen verschleppt, gefoltert, ermordet werden, weil ihr Verständnis von Recht und Unrecht auf den Menschenrechten aufbaut, welche zwar offiziell gültig sind, aber in praktisch keinem Land 100%ig beachtet werden, auch hier in Deutschland nicht? Will ich mich mit meinem Hartz-IV-Satz zufrieden geben, mit dem ich zwar zurecht komme, aber der mich bildungstechnisch, kulturell und sozial einschränkt, wenn ich genau weiß, dass es in meinem Land, in meiner Stadt Menschen gibt, die im Monat mehr verdienen, als ich in einem Jahr ausgeben könnte?

Wer sich an die Wirtschaft klammert, bleibt offenbar menschlich auf der Strecke und auch wenn sie sich Christlich-Demokratische Union nennen, Jesus hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und wäre schreiend im Kreis gerannt.

Ich komme vom Thema ab. Ich bin keine Christin, obwohl ich getauft und konfirmiert bin. Ich glaube nicht an einen Gott, aber ich glaube an den Menschen und ich glaube daran, dass es in dieser globalisierten Welt, in der alle mit einander vernetzt sind – wirtschaftlich, über das Internet, über Student_Innen, die im Ausland studieren, über Reisen und über den Austausch der Kulturen – in dieser Welt wird es langsam mal Zeit, dass wir uns auch menschlich vernetzen. Dass wir gemeinsam einen Weg finden, das Leben für alle lebenswert zu machen.

Jaja, nennt mich Träumerin. Nennt mich utopisch. Unrealistisch. Vielleicht sind wir zu weit überbevölkert oder zu sehr vom Geld abhängig, als dass das wirklich klappen könnte. Unter Umständen bin ich eine Närrin, mir Gedanken darüber zu machen, was wäre wenn wirklich alle Menschen gleich wären. Aber das macht nichts. Bin ich halt utopisch. Bin ich halt weltfremd. Aber.

Wie wollt ihr das alles überleben, wenn ihr nicht wenigstens von einer besseren Welt träumen könnt?

Chwesta.